Auf Deutsch
30.3.2009
Seuraavan artikkelin lähetti Urs Oskar Keller
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Mr. Urs Oskar KELLER
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Hauseigentümer – Ausgabe Nr. 6 – 1. April 2009
bauen&wohnen 23
Sauna – Die Savusauna ist eine echte finnische Rauchsauna, und sie gilt als die traditionellste und rustikalste Form. Holzhütten werden – anders als hierzulande üblich – mit heissem Rauch von offenen Feuern aufgeheizt. Ein Blick nach Skandinavien.
Nicht nur heisse Luft
Die heissen Steine zischen, eine Dampfwolke steigt auf, die Hitze erdrückt beinahe den Atem – doch viele Saunafans schwören auf den Aufguss. Dabei ist gerade die extrem trockene Luft charakteristisch für die finnische Rauchsauna. Wer sie betritt, muss nicht nur seine Kleider ablegen, sondern auch sein Bild vom herkömmlichen Saunieren. Ein altes finnisches Sprichwort besagt: «In der Sauna muss man sich benehmen wie in einer Kirche.» Für helvetische Sauna-Habitués ist das oftmals geprägt von bretterverschalten Einheitsschwitzkästen und vom Duft nach Fichtennadel-oder Eukalyptusaufguss. In einer rustikalen finnischen Rauchsauna riecht es dagegen – wie der Name schon sagt – nach Rauch. Ein Saunagebot ist im Herzen der finnischen Seenlandschaft ausserdem ausser Kraft gesetzt: Kein Schweiss aufs Holz! Dort ist das kein Thema. Die einfachen Holzbänke sind nicht selten russgeschwärzt, da stört Schweiss ohnehin nicht weiter.
Die Kunst der Beheizung
In Finnland mit seinen 5,3 Millionen Einwohnern gibt es heute etwa 2 Millionen Saunas. Die exakte Zahl ist nicht bekannt», bestätigt Merja Hedman von der Finnischen Sauna Gesellschaft «Suomen Saunaseura Ry» in Helsinki. Richtige Rauch-oder Savusaunen sind heute eine Seltenheit, schätzungsweise jede hundertste Sauna in Finnland wird als Savusauna beheizt. Schon allein der Umstand, dass Savusaunen oft abbrennen, wenn man sie unvorsichtig beheizt, sorgt dafür, dass ihre Zahl weiterhin abnehmen wird. In der mittelfinnischen Region Savo, einer Gegend mit unzähligen Seen, Birken-und Föhrenwäldern, wird sie noch vielerorts praktiziert. Doch eine Rauchsauna überhaupt erst mal heiss zu machen, ist eine Kunst für sich. Pentti Tuohimaa, Präsident des internationalen Rauchsauna Clubs «Kansainvälinen Savusaunaklubi Ry» mit 200 Mitgliedern und Sitz in Tampere weiss: «Natürlich ist jeder Finne der Überzeugung, dass die eigene Sauna die beste ist. Doch jeder wird auch bestätigen, dass die einzig richtige Sauna die Savusauna ist – und es gibt so 20’000 davon. Dabei ist rasch anzumerken, dass in der Savusauna nicht im Qualm gesessen wird und auch Tabakrauchen nicht gestattet ist. Mit dem Rauch hat es folgende Bewandtnis: In der Savusauna steht der Ofen frei im Raum und hat keinen Kamin, sondern der Rauch zieht durch die aufgeschichteten Steine ab, zieht sich die Wände und die Decke entlang und allmählich durch eine Luke ins Freie. Das Beheizen dauert bis zu sechs Stunden und Holz muss mehrmals nachgelegt werden. Nach dem Heizen sollte man die Sauna noch eine Stunde ruhen lassen. Dann kann man sie endlich benutzen. Der Rauch ist verflogen und alles duftet wunderbar nach Rauch.» Das Saunieren beginnt, wenn das Feuer erloschen und aller Rauch abgezogen ist. Die Innenwände der Savusauna sind natürlich russig, die Bänke werden deshalb mit Tüchern bedeckt. Trotz aller Vorsichtsmassnahmen kommt man aus einer Savusauna oft schmutziger, will heissen russiger, heraus, als man hineinging. Einen Vorteil hat die Savusauna für solche, denen es in modernen Saunen oft zu heiss ist: In der Savusauna steigt die Temperatur selten über 80 Grad, und weil die Räume meist hoch und die Bänke in mehreren Stockwerken angeordnet sind, findet jeder einen passend temperierten Platz.
Das «Löyly», der «Glut-Hauch
Das Löyly sei weicher und besser, die Atmosphäre besonders, und alles habe eine lange Tradition, ereifert sich Savusauna-Präsident Tuohimaa. Trockene Hitze mit dem wundersamen Löyly, das ist das, was den Sauna-Liebhabern einen schwärmerischen Ausdruck in die Augen zaubert. Löyly kommt aus dem Finnischen und bezeichnet den Wasserdampf, der nach dem Aufguss entsteht. Der Glut-Hauch öffnet die Poren und regt zu kräftigem Schwitzen an. Die Sauna ist nach wie vor wichtiger Bestandteil der finnischen Identität. Eine Einladung zum Saunabad ist eine Auszeichnung und ein Vertrauensbeweis. Dass auch ein längerer Finnland-Aufenthalt keine Garantie für Saunakenntnis bietet, beweist das Beispiel des deutschen Dramatikers Bertolt Brecht. Er weilte 1940/41 als politischer Flüchtling im Land und war auch lange zu Gast auf einem südfinnischen Gutshof. Doch in seinem bekannten Theaterstück «Herr Puntila und sein Knecht Matti» lassen sich in der Sauna die Badenden eimerweise mit Wasser übergiessen. Brecht, als badescheu bekannt, der ungern sein Hemd wechselte, hat wohl die Sauna nie ausprobiert, sonst hätte er gemerkt, dass das Wasser auf die heissen Steine geschüttet wird.
Jeder Neubau hat eine Sauna
Als Sauna-Profi schätze ich persönlich die Rauchsauna, da sie ein wichtiger Bestandteil der Saunageschichte und Entwicklung ist. Aber ob der Schweizer Saunagast dazu bereit ist, ist eine offene Frage», meint der frühere Präsident des Schweizerischen Sauna-Verbandes (SSV), Ernst Braunschweiler. Nach unseren Recherchen gibt es in der Schweiz kaum Rauchsaunas. Diese Sauna hat seine Geschichte und Kultur in Suomi und lässt sich nicht so leicht adaptieren. Was der Rest der Welt nur als Körperkult und Teil der Wellness-Bewegung hinnimmt, ist in Finnland ein unverzichtbares Ritual. Jeder ambitionierte Neubau hat eine Sauna. Ein finnischer Seemannspastor in Hamburg liess selbst in die Kirche eine Sauna einbauen. Er weiss, wonach sich seine Landsleute im Ausland sehnen. Ohne Sauna hält es ein Finne nicht lange aus. In der Schweiz und in Mitteleuropa ist die Sauna noch immer bei vielen unbekannt (nur etwa zwölf Prozent sind regelmässige Saunagänger). Doch seit dem Wellness-Boom ist das Saunen bzw. Saunieren «in». Einige Stunden in der Sauna sind nicht nur eine wunderbare Möglichkeit zu entspannen und dem Alltag zu entfliehen. Wer regelmässig schwitzt, tut zudem etwas für seine Gesundheit. Schwitzen, ob in trockener Hitze oder Dampf, macht ausserdem streichelweiche Haut. Für Nicht-Finnen mag die Sauna ein umständlicher und aufwendiger Prozess der Körperreinigung sein, oder man kann sie als Mittel zur Abhärtung oder um schnell abzunehmen, sehen. In Wirklichkeit ist sie für den Nordländer reiner Genuss, eine Sinnesfreude, komponiert aus Düften, Klängen, Hautsensationen und Sich-wieder-neu-entdecken.
![]() Eine echte finnische Rauchsauna von aussen. bilder urs oskar keller ![]() Urchig, rustikal, ohne Schnickschnack, dafür mit einer Brise Russ – so lieben die Finnen ihre traditionelle Sauna. |



